Magerquarksocke

Etwas endet. Etwas beginnt.

Morgens aufwachen.

Da ist dieser Name. Kein Bild vor Augen, kein Geruch, kein sonstiger Gedanke. Nur dieser Name. Das genügt.

Morgens als erster im Büro sitzen.

Mit halbem Ohr den nach und nach eintreffenden Autos lauschen. Irgendwann ist da dieses Türschlagen, gefolgt von diesem Schlüsselklimpern. Vertraute Geräusche. Einige Sekunde später wandert der Blick unwillkürlich zur Bürotür. Ein zaghaftes Lächeln stiehlt sich auf das Gesicht. „Guten Morgen“.

Kurz darauf aufstehen, um sich einen Tee aufzusetzen.

„Kann ich dir etwas mitbringen?“ – „Nein, danke, ich gehe gleich selbst.“

Mittags in einem Meeting sitzen.

Öde. Und die wahrscheinlich unproduktivste Zeit des Tages. Eine Stunde Besprechung, von der vielleicht fünf Minuten interessant sind. Die Zeit ließe sich sinnvoller nutzen. Andererseits – so hat immerhin der Blick Zeit, ab und an in eine gewisse andere Richtung zu schweifen und die Gedanken mitzunehmen…

Mittagspause.

Diese merkwürdige, unbeschreibliche Freude darüber, dass man im Büro verbleibt und ein Gespräch zustande kommt, und sei es noch so belanglos.

Den Tag über.

Gegenübersitzend. Die Monitore versperren die Sicht. Bis auf gelegentliche, kurze Fragen arbeitet jeder an den Aufgaben seines Gebiets. Nur während des gelegentlichen Lüftens weht der Luftzug einen kurzen Hauch des Parfums herüber. Und doch ist die Präsenz jederzeit gewiss.

Nachmittags, so gegen halb fünf.

Den PC ausschalten, aufstehen. Ein Blick hinüber, begleitet von einem erneuten, zaghaften Lächeln. „Schönen Feierabend. Bis morgen!“. Einen Augenblick zu lang stehen bleiben, dann zum Auto und nach Hause.

Abends.

Vielleicht einkaufen, bestimmt kochen und essen. Etwas spielen oder lesen. Freunde treffen. Termine wahrnehmen. Beschäftigung, damit auch Ablenkung. Aber sie kommen zwangsläufig, die Momente, in denen die Gedanken wieder abschweifen. Dieses Gefühl – dieses Sehnen, dieses Wünschen. Dieses gleichzeitig schöne und schreckliche Gefühl.

Vor dem Einschlafen.

Da ist dieser Name, mit einem Bild vor Augen. Bevor diese zufallen und endlich, endlich ein paar Stunden Ruhe gewähren. Der nächste Morgen kommt früh genug.

Morgens aufwachen.

Da ist dieser Name. Kein Bild vor Augen, kein Geruch, kein sonstiger Gedanke. Nur dieser Name.

Das genügt. Das kann so nicht weitergehen. Manchmal hilft nichts anderes als die Flucht.

Etwas endet. Etwas beginnt.