Magerquarksocke

Photonenexperimente, Teil II

In meinem vorigen Blogbeitrag schrieb ich meine ersten Eindrücke zum ersten Eindruck des unter dem Namen „Photon“ in Entwicklung befindlichen neuen Firefox-Designs nieder. Seitdem sind weitere Mockups aufgetaucht, in denen das UI-Design weiterentwickelt wurde und die einige mir zuvor unerklärliche Buttons näher erläutern.
Aber der Reihe nach.

Zunächst wurde die Funktion des Drei-Punkte-Buttons am rechten Ende der Adressleiste gezeigt. Dahinter verbirgt sich nicht, wie von mir zunächst vermutet, das alte „Pfeil-nach-unten“-Menü, das aktuell erst bei Hover erscheint und eine Übersicht häufig aufgerufener URLs bietet, was in dieser Form wohl weiterexistieren dürfte. Vielmehr handelt es sich um mit der aufgerufenen URL in Verbindung stehende Aktionen, etwa sie zu kopieren, zu teilen oder an ein anderes Gerät zu senden (insbesondere letzteres ist eine willkommene Ergänzung, konnte man Tabs aus dem Desktop-Browser heraus bisher doch nur unter Zuhilfenahme einer Erweiterung an bspw. das Smartphone senden).
Auch die beiden Buttons im rechten Bereich erschließen sich nun.
Jenes Icon, welches ich als aufgereihte Bücher bezeichnete, stellt tatsächlich die Bibliothek dar – also eine Übersicht der Downloads, Lesezeichen, des Verlaufs sowie einiger weiterer Funktionen.
Das andere, hinter dem ich die Lesezeichen vermutete, ist tatsächlich für den Aufruf der (nun rechts platzierten) Seitenleiste zuständig, die von ihrer Funktion her bereits bekannt ist.

Das Bibliotheksmenü ist dabei, ähnlich des bereits existierenden Lesezeichenmenüs, nur eine zusammengefasste Ansicht der jeweiligen Themen; die vollständige Lesezeichensammlung bzw. der komplette Verlauf öffnen sich weiterhin in einem separaten Fenster (das wohl einmal mehr nicht zeitgleich mit dem Rest von Photon aktualisiert wird und daher weiterhin wie ein Relikt aus des Anfangszeiten des Browsers aussehen wird – was es ja auch ist).

Zur Seitenleiste fällt auf, dass der Wechsel zwischen deren Ansichten Lesezeichen, Verlauf und Synchronisierte Tabs über ein Dropdown erfolgt. Nun sind Dropdowns aus Usability-Sicht eines der schlechtesten Mittel und sollten nur gewählt werden, wenn keine sinnvollere Lösung existiert, da sie Inhalte verstecken und erst nach einem (oftmals unnötigen) Klick zeigen. Zumal es für die Seitenleiste eine sinnvollere Lösung gäbe: Warum nicht alle Icons in einer Reihe anzeigen und den Titel des jeweils aufgerufenen anzeigen, ähnlich einem Akkordeon-Menü? Genügend Platz wäre da, und falls ein Nutzer die Seitenleiste zu schmal zieht, kann man dann immer noch auf ein Dropdown ausweichen (Stichwort: Responsive Design).

Das Hauptmenü (dessen Hamburger-Icon mir immer noch ein bisschen zu schmal wirkt) zeigt sich nun wieder wie ein klassisches Menü mit kleinen Icons und nebenstehendem Text anstelle übergroßer Icons mit Untertiteln.
An sich gefällt mir das erst einmal besser. Allerdings soll dieses Menü im Gegensatz zum aktuellen nicht mehr anpassbar sein. Das ist sehr schade. Zunächst einmal, weil ich nicht verstehe, weshalb man Anpassungsoptionen, die es einmal gab, wieder entfernt, was auch meine Befürchtung aus dem vorigen Beitrag, Mozilla könnte die Personalisierungsmöglichkeiten weiter zurückfahren, nährt; zweitens, weil ich einige der Menüpunkte (bspw. Datei öffnen, Seite speichern unter) nie brauche, andere stattdessen möglichst weit oben (sprich nahe am Menü-Icon, Fitts‘ Gesetz lässt einmal mehr grüßen) positioniert haben möchte. Natürlich werden andere Nutzer andere Ansprüche haben, und gerade deshalb wäre es wünschenswert, dieses Menü an die persönlichen Präferenzen anpassen zu können.
Dank WebExtensions wird es darüber hinaus auch keine Erweiterung mehr geben, die solcherlei Möglichkeiten nachrüstet; dies ist beim aktuellen Firefox ja noch der letzte Strohhalm, an den man sich bei einer Fehlentscheidung seitens Mozilla noch klammern kann.

Was mir wiederum Hoffnung macht, ist das Anpassen-Menü. Dies erlaubt offenbar, weiterhin eine separate Suchleiste hinzuzufügen, was ich in meinem vorigen Artikel noch bemängelt hatte. Ebenfalls sind die unnötigen Abstände links und rechts der Adressleiste offenbar über ein Element „flexible Space“ (das es auch in früheren Firefox-Versionen schon einmal gab, in aktuellen aber aus unerfindlichen Gründen nicht mehr) realisiert, die sich hoffentlich entfernen lassen.
Auch der Startseite-Button und die Buttons für Seitenleiste und Bibliothek sind in oben abgebildetem Screenshot nicht ausgegraut, lassen sich also offenbar verschieben. Insbesondere im Falle der Startseite ist das ja ein mir persönlich sehr wichtiges Anliegen.
Der Neu-Laden-Button hingegen ist ausgegraut. Er lässt sich also anscheinend nicht wieder an seinen sinnvolleren Platz in der Adressleiste bewegen.
Der ebenfalls zu sehende Doppelpfeil, der sogar mittels Tooltip erklärt wird, kann dazu genutzt werden, mehrere Icons an einem zentralen Platz verschwinden zu lassen. Dies ist insbesondere für all die vorwitzigen Erweiterungen interessant, die sich ungefragt in der Menüleiste platzieren, obwohl man sie alle Jubeljahre einmal benötigt. Da man sie mit Photon nicht mehr ins Hauptmenü verbannen kann, muss dazu nun ein eigenes Menü her.

Ebenfalls gezeigt wird die Veränderung der Oberfläche (naja, zumindest der Menüleiste) je nach Eingabemethode. Bei Touch-Bedienung wird alles etwas größer dargestellt, um die Touch-Targets (also die Bereiche um die Icons, in denen sie noch auf Antippen reagieren) zu vergrößern. Im Kompaktmodus wiederum wird, gegenteilig, alles ein wenig zusammengeschoben; außerdem verliert der Zurück-Pfeil seinen eh unnötigen Kreis.
Mir stellen sich nun Folgefragen, insbesondere zum Touchmodus. Wirkt sich die Vergrößerung nur auf die Menüleiste aus, oder auch auf die diversen Listenmenüs (etwa das neue Hauptmenü, Kontextmenüs, etc.)? Ich finde die Oberfläche in der aktuellen Version schon gut genug mit Touch bedienbar – und auch die Kacheln im Hauptmenü sind, wenngleich überdimensioniert, immerhin problemlos Draufpatsch-kompatibel. Es sind die Listenmenüs, die eher schlecht als recht fehlerfrei antippbar sind.
Und dann wäre die Frage, wie sich der Modus ändert. Zur Laufzeit? Das wäre insbesondere bei 2-in-1-Geräten wie dem Surface nervig, denn hier wechsele ich ständig zwischen Touch- und Maus-Bedienung hin und her und fände es mehr als irritierend, spränge die Menüleiste dann jedes Mal ein Stück nach oben bzw. unten. Oder wird einmal, etwa je nach Gerät, ein Modus festgelegt? Auch hier wäre die Frage, welcher Modus für ein 2-in-1 gewählt würde. Ich würde ja den Touch-Modus präferieren, da dieser auch per Maus bedienbar ist, der normale per Touch hingegen weniger. Dies bleibt zu klären.

Und weil ich den Kreis um den Zurück-Pfeil bereits angesprochen habe: Die Hervorhebungen mittels Verlauf und Schatten, die ich im vorigen Artikel noch als zu stark kritisiert habe, sind nun deutlich dezenter. Der Pfeil ist nun unifarbig (ich würde behaupten, ein klein wenig heller als der Hintergrund, aber das mag täuschen) und nur noch mittels einer kreisförmigen Linie umrandet. Gleiches gilt für die Adressleiste – auch diese hat ihren unnötigen Schatten verloren. Diese Elemente wirken dadurch deutlich besser integriert statt aufgesetzt; außerdem wird keine falsche Erhebung auf der z-Achse mehr impliziert. Den Kreis um den Zurück-Pfeil finde ich allerdings nach wie vor überflüssig, auch wenn er eine Art Markenzeichen von Firefox ist.
Insgesamt kann man das Erscheinungsbild aber schon einmal als ruhiger bezeichnen als im zuvor veröffentlichten Screenshot.

Zu guter Letzt werfen wir noch einen Blick auf die Animationen des Download-Pfeils und Lesezeichen-Sterns. Ersterer wird nicht mehr, wie es aktuell der Fall ist, dauerhaft angezeigt, sondern erscheint erst, wenn ein Download gestartet wird.
Nun bin ich ja ein großer Freund von sinnvollen Animationen, daher gefällt mir, wie der horizontale Balken unter dem Download-Pfeil nach vollendetem Herunterladen in die Bibliothek „wandert“, um so anzuzeigen, dass der Benutzer dort auf seine Downloads zugreifen kann. Gleiches gilt für den Stern, der kurz von der Bibliothek aus nach oben hüpft, wenn man ein Lesezeichen gesetzt hat.

Ach ja, bei Sören Hentzschel finden sich auch noch Screenshots der neu gestalteten Statusseiten, die etwa angezeigt werden, wenn die Internetverbindung unterbrochen oder der Server der aufgerufenen Website nicht erreichbar ist. Ich binde diese hier nicht noch einmal ein; mir gefällt der etwas knuffige Cartoon-Look allerdings sehr, der mir als Benutzer doch ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern kann.

Fazit: Das optische Erscheinungsbild wirkt ruhiger als im älteren Screenshot, die Animationen wissen durch ihren Nutzen und ihre leichte Verspieltheit zu Gefallen und dass man weiterhin eine separate Suchleiste anzeigen sowie den Weißraum um die Adressleiste entfernen kann, freut mich ebenfalls sehr. Das Verschwinden der Anpassungsmöglichkeiten des Hauptmenüs hingegen weniger. Warum nur, Mozilla?


Anmerkung: alle Informationen, Screenshots und Videos via Sören Hentzschel.